Das Framing der Recherche-Linken
– Von „Umverteilung“, „Diversität“ und „Nazis“

Das Framing der Linken: Wie Sprache politischen Diskurs gestaltet
Von „Umverteilung“, „Diversität“ und „Nazis“
Die Umdeutung zentraler Begriffe durch die politische Linke ist ein Mittel zur gezielten Steuerung gesellschaftlicher Diskurse. Holger Schmitt analysiert, wie die Linke moralische Konzepte wie „Gerechtigkeit“ neu besetzt und wie die wachsende Tendenz, Menschen als „Nazis“ zu bezeichnen, die Debattenkultur beeinflusst. Der Autor untersucht mit sprachwissenschaftlichem Anspruch, wie Begriffe wie „Diversität“ oder „Umverteilung“ in linkspolitischen Deutungsrahmen genutzt werden, um bestimmte Narrative zu etablieren und Andersdenkende auszugrenzen. Die zweite, erweiterte Auflage bietet eine tiefgehende Analyse dieser Phänomene.
Schmitt zeigt, wie sprachliche Konstrukte politische Machtverhältnisse abbilden. Er spricht von einem „Framing“, das bestimmte Perspektiven hervorhebt oder verschleiert – etwa indem Begriffe kapert und mit neuer Bedeutung auflädt oder unerwünschte Begriffe tabuiert. Am Beispiel des inflationär gebrauchten Wortes „Nazi“ erklärt er, wie ehemals präzise Begriffe zunehmend weit gefasst und als rhetorisches Instrument gebraucht werden.
Die Grundlage seiner Analysen bildet ein umfangreiches Korpus linguistischer Daten: Texte aus Zeitungen, Magazinen und anderen Quellen aus den Jahren 2014 bis 2019. Schmitt nutzt Korpuslinguistik, um Wortverwendung und Kollokationen systematisch zu untersuchen. Indem er relative Häufigkeiten und assoziative Wortpaare analysiert, deckt er auf, wie linke Schlüsselbegriffe regelmäßig in ideologischem Kontext verankert sind.
Im Buch findet sich ein begriffliches „Wörterbuch“, das von „Aktivist“ bis „Wende“ reicht. Schmitt beschreibt, wie diese Begriffe in linker Rhetorik verwendet werden, welche Bedeutungen sie tragen und wie sie eingesetzt werden, um politische Gegner zu diskreditieren, eigene Botschaften zu moralisch aufwerten oder Fakten zu verschleiern.
Die Analyse fokussiert auf fünf zentrale Strategien: die Dominanz linker Ideologien in Medien, personalisierende Diskursführung („ad hominem“-Angriffe), Umdeutung bestehender Begriffe, Tabuisierung unerwünschter Begriffe sowie die Konzentration auf Schlagwörter als rhetorisches Mittel. All dies beschreibt Schmitt anschaulich und empirisch fundiert.
Abgeschlossen wird das Buch mit einem reflektierten Blick auf die Methode der Korpuslinguistik, die als solides Instrument gilt, um Sprachgebrauch empirisch zu erfassen. Schmitt beschreibt ausführlich, wie Daten ausgewählt, analysiert und interpretiert werden – unter Berücksichtigung potenzieller Abweichungen und methodischer Zuverlässigkeit. Ergänzt werden die Analysen durch Fotos aus seinem Archiv zur „linguistic landscape“, die beispielhafte Framing-Beispiele aus dem öffentlichen Raum dokumentieren.
Autor
Holger Schmitt, geboren 1968, ist habilitierter Sprachwissenschaftler. Nach Studium und Promotion in englischer Linguistik lehrte und forschte er zunächst an verschiedenen deutschen Hochschulen. Heute versucht er als freier Autor, seine polito‑linguistischen Analysen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei bemüht er sich um Allgemeinverständlichkeit und vermeidet so weit wie möglich Fachjargon.
Kurzübersicht
- ISBN: 978‑3‑87336‑754‑8
- Buchart: Sachbuch (Allgemeine Medien‑ & Kommunikationsbücher)
- Format: Kartonierter Einband
- Seitenzahl: 266 Seiten
- Buchgröße / Gewicht: 20,8 × 14,5 × 1,7 cm / 412 g
- Erscheinungsdatum: 1. Auflage 2021 (2. aktualisierte Auflage Oktober 2022)
- Verlag: GHV – Gerhard Hess Verlag
- Verkaufspreis: ca. 18,90 €