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Absturz – Daniel Stelter

Daniel Stelter: Absturz – So retten wir Deutschland. Langen Müller Verlag, München, 20.04.2026, 280 Seiten. ISBN 978-3-7844-3771-2. Das Buch kann hier im Achgut-Shop bestellt werden.

Buchauszug von Daniel Stelter, erschienen auf Achgut.com am 24.04.2026:

Die große Veruntreuung: Wie die Regierung Ihr Häuschen ins Ausland verschiebt

Dies ist ein Auszug aus dem neuen Buch „Absturz“ von Daniel Stelter, das hier im Achgut-Shop erhältlich ist.

Statt auf Reformen setzt die Politik auf Schulden. Der erste Akt dieser Strategie spielte sich unmittelbar nach der Bundestagswahl 2025 ab: Die Schaffung von „Sondervermögen“ für Infrastruktur und Bundeswehr wurde als Investitionsoffensive verkauft. Doch die Mittel wurden bereits im Moment ihrer Schaffung zweckentfremdet. Allein dadurch, dass alles über einem Prozent des BIP für Verteidigung nun auf Kredit läuft, wurden im normalen Haushalt Mittel in Höhe von über zwanzig Milliarden Euro frei, weil der Bund zuvor bereits 1,5 Prozent vom BIP für Verteidigung aus dem Haushalt finanziert hat. Die Schulden dienen also dazu, Löcher im laufenden Haushalt zu stopfen.

Verschleiern statt reformieren

Die Zweckentfremdung setzt sich bei der Umsetzung fort. Studien des ifo Instituts (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung) und anderer Forschungseinrichtungen zeigen, dass rund 50 Prozent der Mittel, die offiziell als Investitionen deklariert werden, tatsächlich in staatlichen Konsum fließen. Bei den Geldern, die an die Länder weitergereicht werden, dürfte der Anteil der Investitionen noch geringer sein, man denke an die Milliarden, die das Land Berlin für das Pflanzen von Bäumen verwenden will. Was als Zukunftsinvestition angepriesen wird, erweist sich als Subventions- und Konsumprogramm.

Der Sachverständigenrat der Bundesregierung warnt denn auch, dass durch die konsumtive statt investive Verwendung der Mittel der Wachstumseffekt deutlich geringer ausfallen und damit die Schulden relativ zum BIP deutlich mehr steigen werden.

Trotz dieser Veruntreuung der für Investitionen gedachten Schulden-Billion tun sich weitere Löcher im Haushalt auf. So rechnet das Bundesfinanzministerium im Herbst 2025 mit einer Finanzierungslücke von 172 Milliarden Euro bis 2029. Die jährlichen Defizite steigen kontinuierlich: von 34 Milliarden Euro im Jahr 2027 über 63 Milliarden in 2028 bis hin zu 74 Milliarden Euro im Jahr 2029. Der Bundesrechnungshof warnt drastisch: „Wer plant, im Jahr 2026 fast jeden dritten Euro auf Pump zu finanzieren, ist von einer soliden Finanzwirtschaft weit entfernt.“

Die Bundesbank prognostiziert, dass spätestens 2030 der gesamte Haushalt für drei Posten gebunden sein wird: Soziales, Verteidigung und Zinsen. Der Thinktank „Dezernat Zukunft“ kalkuliert, dass der diskretionäre, also nach Ermessen frei entscheidbare fiskalische Spielraum der Bundesregierung bis 2029 auf nur noch fünf Prozent schrumpfen könnte. Im Jahr 2035 könnte er null betragen – ein demokratiegefährdender Zustand, in dem Wahlen „fiskalisch und politisch bedeutungslos“ würden.

Schuldenbremse: aufweichen statt modernisieren

Deshalb soll nun die Schuldenbremse „reformiert“ werden. Eine Kommission wurde eingesetzt – natürlich, doch bei den politischen Mehrheitsverhältnissen dürfte es eher darum gehen, die Bremse völlig aufzuweichen oder ganz abzuschaffen. Die Arithmetik ist klar: Jede grundlegende Reform der Schuldenbremse, die eine Zweidrittelmehrheit erfordert, braucht die Zustimmung der Linkspartei, da man die Zustimmung der AfD nicht möchte (und wohl auch nicht bekäme). Die Zustimmung werden die anderen Parteien nicht umsonst bekommen. Vielmehr dürften Reformen und Kürzungen im Sozialbereich ausgeschlossen werden, was bedeutet, dass immer mehr Schulden aufgenommen werden, um die weiter wachsenden Löcher zu stopfen.

Die Entwicklung unterstreicht, wie wertvoll die Schuldenbremse war. Denn entgegen der Behauptung der Kritiker war die Schuldenbremse kein Investitionshemmnis. Sie war ein Konsumhemmnis. Die Politik schwamm über mehr als zehn Jahre im Geld und hat sich dafür entschieden, zu konsumieren statt zu investieren. Und sie setzt diese Vorgehensweise fort.

Deutschland könnte bis zum Ende der Legislaturperiode einen Schuldenstand von 80 Prozent des BIP erreichen – ein Anstieg um knapp 20 Prozentpunkte. Statt die eigentlichen Probleme anzugehen, wirtschaftet die Politik weiter auf Pump.

Und nicht nur das. Viele Akteure scheinen ernsthaft zu glauben, dass sie mit ihren Ausgaben auf Pump wirkliches Wirtschaftswachstum schaffen. In Wahrheit liegen die Prognosen für das Wachstum unterhalb der Veränderungsrate der Verschuldung. Das Wachstum wird also sehr teuer erkauft und sich als Strohfeuer erweisen.

EU-Schulden: teurer Umweg

Die EU darf sich laut den derzeitigen Verträgen eigentlich nicht verschulden. Der sogenannte „Wiederaufbaufonds“ Next Generation EU hat bereits gegen diese Regel verstoßen. Schon im Dezember 2025 kam es zur Wiederholung mit dem gemeinsamen Kredit zugunsten der Ukraine.

Obwohl aus diesen Krediten erhebliche Lasten für den deutschen Steuerzahler erwachsen, werden EU-Schulden nicht von der Schuldenbremse erfasst. Künftige Zins- und Tilgungslasten werden den Haushalt natürlich belasten, zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme greift die Schuldenbremse jedoch nicht.

Damit ist die Verlockung für die deutsche Politik groß, dem Drängen nach mehr Schulden auf EU-Ebene nachzugeben, um so auch die zunehmenden eigenen Finanzprobleme zu „lösen“. Dies ist aus mehreren Gründen problematisch.

Es führt zu einer Vermögensverschiebung von Deutschland in die anderen Länder, da wir per Definition immer weniger Mittel von der EU bekommen als die Tilgungs- und Verzinsungsverpflichtung, die wir übernehmen. Das ist ungerecht, weil die Franzosen, Italiener und Spanier pro Kopf mehr Vermögen als die Deutschen haben. Dennoch ist die Gefahr real, dass mehr EU-Schulden als Umweg aus den Haushaltsnöten genutzt werden.

Verlust der Ankerfunktion und strukturelle Inflation

Mit dieser Politik verliert Deutschland perspektivisch seinen Status als solider Schuldner und damit auch seine Rolle als Anker des Euro. Frankreich zeigt bereits „Elemente eines Schwellenlandes“, wie die NZZ (Neue Zürcher Zeitung) konstatierte. Anleger verlangen von großen französischen Konzernen niedrigere Risikoaufschläge als vom französischen Staat selbst. Deutschland bewegt sich auf diesem fatalen französischen Weg.

Wenn Deutschland als letzter Stabilitätsanker der Eurozone wegbricht, wird die EZB (Europäische Zentralbank) immer mehr dazu gezwungen werden, die Staaten direkt zu finanzieren. Das führt strukturell zu Inflation – und zu noch mehr Umverteilung aus Deutschland in die anderen Länder. Denn die Bürger der anderen Länder besitzen viel mehr Immobilien und Aktien, die vor Inflation schützen, während die Deutschen überwiegend auf Sparbücher und Lebensversicherungen setzen. Die Inflation wirkt dann als versteckte Steuer, die vor allem deutsche Sparer treffen wird.

Der Teufelskreis: Weniger Wachstum, mehr Probleme

Die Verschuldung wird also weiter steigen, offiziell und inoffiziell. Die Politik wird jeden Hebel nutzen, um die Probleme zu verschleiern. Neben den Schulden werden natürlich auch die Steuern und Abgaben weiter steigen. Denn nur darum geht es in der ganzen „Ungerechtigkeitsdiskussion“: Wer soll die weiter wachsenden Lasten des Staates tragen?

Vermögenssteuern, höhere Erbschaftssteuern, höhere Spitzensteuersätze, Erfassung anderer Einkommensarten für die Sozialversicherung, höhere Mehrwertsteuer, Abschaffung der Abgeltungssteuer, höhere Besteuerung von Immobilien inklusive Wegfalls der Steuerfreiheit nach einem Verkauf nach zehn Jahren: Die Wunschliste der Steuererhöhungspolitiker ist lang. Meist sind es auch die, die mehr Schulden befürworten, denn ihnen ist klar, dass der durch die Zinslasten immer weiter eingeschränkte Verteilungsspielraum Steuererhöhungen „alternativlos“ macht.

Die Folge dieser Politik: noch weniger Wachstum und noch geringere Steuereinnahmen, was wiederum zu noch größeren Haushaltsproblemen führt. Der Staatskonsum wächst immer weiter – nachdem er bereits seit 2015 um 25 Prozent zugelegt hat – und die privaten Investitionen gehen weiter zurück. Dabei liegen sie schon rund 15 Prozentpunkte unter dem Stand von 2018. Die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller.

Fazit: Der sicherste Weg in den Ruin

Das ist der schlechteste denkbare Weg und der sicherste, um den Ruin zu vollenden. Statt grundlegender Reformen setzt die Politik auf Schulden, um Probleme zu verschleiern. Statt die Ausgabenstruktur zu verändern, werden die fiskalischen Regeln aufgeweicht. Statt sich der Realität zu stellen, flüchtet man in immer neue Sondervermögen und EU-Schulden.

Genau deshalb müssen wir davon ausgehen, dass dieser Weg von der Politik beschritten wird. Der Widerstand gegen Reformen ist zu groß, die Versuchung der schuldenfinanzierten Problemverschleppung zu verlockend, und die Hoffnung, dass „irgendwie schon alles gutgehen wird“, zu tief verwurzelt.

Doch das wird es nicht.

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