Die Medienkrieger – Michael Clasen
Michael Clasen: Die Medienkrieger – Wie uns die Vierte Gewalt manipuliert. Langen Müller Verlag, München, 21.09.2026, 354 Seiten. ISBN 978-3-7844-3757-6. Das Buch kann hier im Achgut-Shop bestellt werden
Rezension von Ulrike Stockmann erschienen auf Achgut am 19.09.2026
Die Medienkrieger: Wie aus Kontrolleuren Komplizen wurden
Von Ulrike Stockmann • Ohne unabhängige Medien kann eine Demokratie nicht funktionieren. Doch was geschieht, wenn Journalisten lieber Haltung zeigen, als die Mächtigen zu kontrollieren? Der Journalist und Kriegsreporter Michael Clasen beschreibt in seinem Buch „Die Medienkrieger“ den Niedergang der etablierten Medien – und warnt vor einer neuen Meinungsmacht der Tech-Konzerne.
Die öffentlich-rechtlichen Sender leiden schon seit Längerem unter einem Imageproblem. Immer irrelevanter wird ihre Berichterstattung vor allem für jüngere Menschen, als immer einseitiger werden ihre Beiträge von immer mehr Bürgern empfunden. Und knapp vier Millionen Haushalte verweigerten 2024 zumindest vorübergehend die Zahlung des Rundfunkbeitrags.
Die inhaltliche Schieflage dürfte einerseits in der durch Umfragen ermittelten politischen Schlagseite der Medienmacher begründet liegen: Journalisten aller Altersklassen gaben in den letzten Jahren an, politisch vor allem den Grünen nahezustehen, bei den Jüngeren gefolgt von der Linken und bei den Älteren mit der SPD an zweiter Stelle.
Nicht zuletzt erschütterten handfeste Skandale das Bild von ARD und ZDF und führten zu einem weiteren Gunstabfall bei Zuschauern und Lesern: Seien es Falschmeldungen, wie etwa die mittlerweile anwaltlich abgemahnte ZDF-Behauptung aus dem Juni 2026, Elon Musk hätte zu einer „Jagd auf Migranten“ aufgerufen (Nach dem Versuch eines Sudanesen, in Belfast einen Mann auf offener Straße zu enthaupten, hatte Musk lediglich auf X gepostet, „wiederholt und laut“ dagegen zu protestieren). Oder die KI-generierten beziehungsweise in völlig anderem Kontext entstandenen Bilder, die Anfang 2026 einen ZDF-Beitrag mit dramatischen Szenen unterlegten, die die angeblich brutale Abschiebepraxis der US-Behörde ICE illustrieren sollte.
Ganz zu schweigen von Schlagzeilen rund um die 2022 wegen des Vorwurfs der Vetternwirtschaft und persönlicher Bereicherung zurückgetretene RBB-Intendantin Patricia Schlesinger. Oder das ebenfalls aufsehenerregende Canceln der Moderatorin Julia Ruhs. Die Erstausgabe ihrer Sendung „Klar“ zum Thema „Migration – Was falsch läuft“, ausgestrahlt im Frühjahr 2025 bei BR und NDR, sorgte ausgehend von letztgenanntem Sender für interne und externe Entrüstungsstürme. NDR-Mitarbeiter verfassten einen Protestbrief mit 250 Unterschriften und der NDR-Programmausschuss rügte die Sendung. Parallel startete die NGO „Campact“ eine Online-Kampagne zur Absetzung der Sendung und einer Überprüfung der Zusammenarbeit mit Ruhs. Nach wenigen Monaten musste Ruhs den NDR verlassen, während sie beim BR bleiben konnte.
Längst haben ehemalige Mitarbeiter wie der langjährige ZDF-Moderator Wolfgang Herles oder der Ex-Tagesschau-Redakteur Alexander Teske öffentlich den Vorwurf einseitiger Berichterstattung und eingeschränkter Meinungsfreiheit gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber erhoben.
Keine Demokratie ohne Vierte Gewalt
Ein weiterer journalistischer Kritiker, der die oben skizzierten Missstände ausführlich in einem Buch verhandelt, ist Michael Clasen. In „Die Medienkrieger – Wie uns die Vierte Gewalt manipuliert“ reiht sich der Autor in die immer zahlreicher werdenden Rufer in der Wüste ein, die das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus der Innenansicht beziehungsweise dem Blickwinkel des etablierten Journalisten kritisieren.
Clasen ist seit 2021 Chef vom Dienst für die Gemeinschaftsredaktion der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ und des „Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags“. Außerdem war er als Kriegs- und Krisenreporter unter anderem in Afghanistan, Pakistan, im Irak und der Ukraine im Einsatz. In seinem Buch kritisiert er einerseits Kosten, Struktur und Skandale des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ihn bewegt allerdings mehr als die auch an anderer Stelle vermehrt lesbare Medienkritik. Clasen spannt den großen Bogen von der angeschlagenen Presse- und Rundfunklandschaft über die Machtfrage der Massenmedien zur Infragestellung der Demokratiefähigkeit einer Gesellschaft, deren Vierte Gewalt nicht mehr funktioniert.
„Viele Menschen in westlichen Demokratien merken immer noch nicht, wie sehr sie zunehmend manipuliert werden, wenn sie auf ihr Smartphone schauen, Nachrichten hören, Talkshows sehen oder Filme auf dem Bildschirm konsumieren. Früher zählten Nachrichten und faktenbasierte Analysen. Heute geht es um Emotionen, um Haltung und allzu oft um Empörung über vermeintliche Verletzungen der politischen Korrektheit, die immer öfter künstlich erzeugt wird. Früher deckten Journalisten Skandale ohne Rücksicht auf politische Überzeugungen auf, heute kehren viele von ihnen Fakten unter den Teppich, wenn sie nicht ins Weltbild passen“, schreibt Clasen.
„Es sind vor allem die Massenmedien, die in den vergangenen zwanzig Jahren damit begonnen haben, den Meinungskorridor zu definieren, oft im Wechselspiel mit Politik, NGOs und Wissenschaft“, fügt er hinzu. Ziel seines Buches sei es, zu zeigen, „wie sehr vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk durch eine ideologische Überdrehung das Meinungsbild in Deutschland beeinflusst hat. Zudem geht es um die Frage, ob dieses Land nicht nur eine bessere Politik verdient, sondern auch bessere Medien. Und wer wird im KI-Zeitalter den öffentlichen Diskurs bestimmen – Tech-Giganten, staatliche Akteure wie verdeckte Zensoren oder die freie Presse?“
Dank plötzlicher Willkommenskultur „Medienkönigin“
Als Meilenstein in Richtung Diskursverengung macht er die 2015 beginnende Flüchtlingskrise aus. Clasen war nach eigenen Angaben besorgt, als Angela Merkel damals „faktisch die Grenzen öffnete“. Merkel, die 2010 Multikulti noch als gescheitert bezeichnet hatte, hatte bei ihrer berühmten Begegnung mit einem palästinensischen Flüchtlingsmädchen anlässlich eines Bürgerdialogs in Rostock im Juli 2015 in den Augen vieler Pressevertreter keine gute Figur gemacht. Schließlich hatte die damalige Kanzlerin das Mädchen mit der Aussage, dass Deutschland nicht alle Flüchtlinge aufnehmen könne und Abschiebungen möglich seien, zum Weinen gebracht. Dank ihrer plötzlichen Willkommenskultur wurde Merkel nun zur „Medienkönigin“.
„Es stimmt jedoch, dass es 2015 Runden von Chefredakteuren bei Angela Merkel gab, in denen um eine wohlwollende Begleitung der Politik der offenen Grenzen gebeten wurde. Ich fragte mich damals, ob es dieses Hinweises überhaupt bedurfte, denn die links-grüne Übermacht in den Medien war schon zu der Zeit unübersehbar. Und es waren vor allem die Medien, die Merkel dazu drängten, mehr für Flüchtlinge zu tun“, so Clasen.
Das Ergebnis war ein freudiges Schönschreiben der Migrationskrise durch die Vertreter etablierter Medien – in dessen Zuge sich die FAZ schon mal wie die taz anhören konnte. Egal ob Arbeitsmarktintegration, Asylmissbrauch oder Anstieg von Gewaltverbrechen – die großen Zeitungen und Sender framten die Schattenseiten der Migration so, wie es in ihre Agenda passte. „Vieles, was vor der faktischen Grenzöffnung 2015 noch als vernünftig galt, war nun ‚rechts‘, mit der Konnotation rechtsextrem.“
„Die Coronapandemie offenbart die Macht der Emotionalisierung als Waffe der ‚Medienkrieger‘“
Als weiteres Paradebeispiel journalistischer Irreführung führt Clasen die Coronazeit an. „Die Coronapandemie war die bisher größte Medienmanipulation in der deutschen Nachkriegsgeschichte“, stellt er fest. Um gleich nachzuschieben: „Ich bin kein Coronaleugner, und ich war es auch nie“ und zu betonen, dass er, seine Frau und seine Kinder alle dreimal geimpft seien. Ein bisschen handzahm wirken daher manche Passagen dieses Kapitels, etwa wenn er von „Verschwörungstheorien von der Errichtung einer wirklichen Coronadiktatur“ schreibt und darauf besteht, dass auch die falschen Entscheidungen, die die Freiheitsrechte durch einen „übergriffigen Staat“ einschränkten, demokratisch legitimiert gewesen seien (was ja schon in Hinblick auf die eingeführten Bund-Länder-Konferenzen, die am Parlament vorbei Entscheidungen trafen, höchst fragwürdig ist).
Andererseits listet Clasen einen Reigen der von Politik, Institutionen und Medien getragenen Corona-Irreführungen beziehungsweise -Lügen auf: Seien es die alptraumhaften Bergamo-Bilder (die gezeigten Militärfahrzeuge, die Särge transportierten, waren eine Folge der plötzlich in der Region verfügten Einäscherung von normalerweise bestatteten Toten und einer entsprechenden Überforderung des lokalen Krematoriums und kein Zeugnis dramatisch angestiegener Todesfälle), die angebliche „Pandemie der Ungeimpften“ (die angesichts des stattlichen Durchschnittsalter der Coronatoten von 85 Jahren vom Autor zur „Pandemie der 85-Jährigen“ erklärt wird) oder die mittlerweile als wahr geltende, 2020 jedoch unter anderem von Christian Drosten als „Verschwörungstheorie“ abgestempelte Annahme, dass das Coronavirus aus einem Labor in Wuhan stammt.
Vor allem am Härtegrad der Corona-Maßnahmen hätten etablierte Medien einen nennenswerten Anteil gehabt. Denn diese stellten Corona-Maßnahmen wie Maskenzwang und Schulschließungen praktisch nicht in Frage, sondern übten nur Kritik, um noch drastischere Einschränkungen von der Politik zu fordern. Auch die Diffamierung der „Querdenker“ und allgemein aller Coronakritiker als „rechts“ rügt Clasen und führt unter anderem vor Augen, wie giftig die Medien auf die Künstler reagierten, die sich 2021 im Rahmen der Aktion allesdichtmachen maßnahmenkritisch positioniert hatten, darunter Jan Josef Liefers oder Heike Makatsch. WDR-Rundfunkrat Garrelt Duin (SPD) hatte damals in einem später gelöschten Tweet ARD und ZDF aufgefordert, „schnellstens“ die Zusammenarbeit mit den Schauspielern zu beenden.
„Querdenkern“-Gründer Michael Ballweg, der neun Monate in Untersuchungshaft wegen angeblicher Veruntreuung von Spendengeldern sitzen musste, wurde schließlich im April 2023 entlassen und 2025 vom Vorwurf des versuchten Betruges freigesprochen. Schuldig gesprochen wurde er wegen Steuerhinterziehung in zwei Fällen und versuchter Steuerhinterziehung in drei Fällen. „Hinterzogen“ hat er demnach nachweislich knapp 20 Euro. Anhand von Beiträgen von SWR Online und „heute journal“ zeigt Clasen Versuche öffentlich-rechtlicher Medien auf, die völlig unverhältnismäßige Behandlung Ballwegs durch die Justiz zu relativieren.
Skandale um Impfzwang und Impfnebenwirkungen behandelt Clasen untergeordnet, auch die Bedeutung neuer, unabhängiger Medien für die Corona-Kritik – zu denen sich auch Achgut.com zählen darf – wird kaum thematisiert. Lobende Worte für die Bemühung um Aufklärung durch alternative Medien findet er an dieser Stelle nur in Bezug auf die RKI-Files, ansonsten stellt er lediglich punktuell hinterfragende Blätter wie NZZ oder WELT beziehungsweise verhaltene Protagonisten wie den Virologen Alexander Kekulé als besonders kritische Instanzen heraus.
Dennoch lautet sein Fazit nach diesem Kapitel: „Die Coronapandemie hat in erschreckender Deutlichkeit gezeigt, wie ARD, ZDF und andere Leitmedien im Zusammenspiel mit Regierung und Teilen der Wissenschaft ein dominierendes Narrativ etablieren und aufrechterhalten konnten. So wurde die Angst in der Bevölkerung gezielt verstärkt, die Meinungsbildung erschwert und eine freie, kritische Debatte unterlaufen. Sie offenbart die Macht der Emotionalisierung als Waffe der ‚Medienkrieger‘ und die Anfälligkeit einer Gesellschaft, die der Medienflut großteils wehrlos ausgesetzt ist, um sich selbst zu schützen.“
„Die Eindimensionalität der westlichen Ukraine-Politik war so primitiv“
Unmissverständliche Kritik äußert Michael Clasen allerdings in Bezug auf die hiesige Berichterstattung zum Ukrainekrieg, den er als Kriegsreporter 2022, 2023 und 2024 vor Ort begleitet hat. „Doch während wir die Front passieren, verstehe ich klarer, was ich zuvor nur geahnt hatte: Was wir im Westen über diesen Krieg zu wissen glauben, ist oft so oberflächlich und am Ende falsch, dass es schmerzt“, schreibt er gleich zu Beginn des Kapitels. Und fährt kurz drauf fort: „Die Eindimensionalität der westlichen Ukraine-Politik war so primitiv, dass sich Europa sehenden Auges in ein Desaster stürzte und die Welt nur knapp einem Dritten Weltkrieg entging. Hätte Donald Trump nicht die Wahl in den USA gewonnen, wäre der Regionalkonflikt womöglich zum ultimativen Albtraum eskaliert: zum Auslöschen großer Teile der Menschheit durch einen Atomkrieg.“
ARD und ZDF hätten sich angestrengt, „möglichst einseitig zugunsten der Ukraine zu berichten – und vor allem die Siegesformel zu verbreiten, Kiew würde den Krieg gewinnen“. Natürlich würden Russlands Medien von Propaganda bestimmt und das Leben als Putin-Kritiker sei ein gefährliches. Doch auch im Westen sei die öffentliche Meinung Teil der Kriegsstrategie – und auch hier sei man versucht, die Wirklichkeit manipulieren zu wollen. Einige Kriegsnarrative des Westens – wie etwa, dass die Ukraine um jeden Preis gewinnen werde, die EU-Sanktionen Putin in die Knie zwingen würden, welcher außerdem todkrank und international isoliert sei, außerdem gingen der russischen Armee die Panzer aus, Selenskyj sei hingegen ein Held – entlarvt Clasen als „im Kern Fake News“.
Öffentlich-rechtliche Medien und die meisten etablierten Parteien sieht er als „Teil eines Propagandakrieges“. Grüne und SPD verwarfen Pazifismus und Friedensbewegung und zeigten plötzlich eine „seltsame Begeisterung“ für Kriegsgerät. Die großen Medien zeichneten eifrig Schwarz-Weiß-Bilder – Wolodymyr Selenskyjs Ukraine als Heilige, Wladimir Putins Russland als Teufel – und forderten ähnlich wie in der Coronazeit härtere Maßnahmen, als Bundeskanzler Scholz nach seiner zunächst angekündigten „Zeitenwende“ plötzlich als „zaudernd“ wahrgenommen wurde.
„Wie bei Corona, Klima und Migration“ präsentierten Leitmedien laut Clasen nur eine Handvoll „unabhängiger“ Experten, bei denen Interessenskonflikte jedoch an der Tagesordnung zu sein schienen. So etwa beim „Christian Drosten des Ukraine-Krieges“ Carlo Masala, Professor an der Bundeswehr-Universität München, die laut Clasen die Parteilichkeit schon „im Namen trägt“. Selbst bis dato renommierte Kritiker der Ukraine-Politik fanden in den Leitmedien kein Gehör mehr – wurden mitunter in den neuen Medien jedoch zu „regelrechten Stars“. Zu diesen zählte laut Clasen General a. D. Harald Kujat, ehemals 13. Generalinspekteur der Bundeswehr sowie die langjährige Moskau-Korrespondentin der ARD, Gabriele Krone-Schmalz und Brigadegeneral a. D. Erich Vad, ein langjähriger Militärberater Merkels. Auch Donald Trumps Verhandlungsvorstöße nach seiner Wiederwahl ernteten in großen deutschen Medien nur Spott.
„Eine gefährliche Eskalationsspirale“
Aus eigenem Erleben mahnt Clasen vor allem die Verlustzahlen an der Front an. Es sei zwar richtig, dass Putin seine Soldaten verheize – dass Selenskyj dies jedoch nicht minder täte, werde meist verschwiegen. Beide hielten die Verlustzahlen geheim, die jedoch auf beiden Seiten laut Clasen die Millionenmarke überstiegen haben dürften. „Wer in den Kriegsjahren regelmäßig durch die Ukraine fuhr, sah aber das wachsende Meer an Nationalfahnen auf den Friedhöfen auf den Gräbern der Gefallenen. Und es ist auch so, dass sich die Reihen an der Front immer stärker gelichtet haben.“
Für seine Berichterstattung nach einer Reise nach Moskau und auf die besetzte Krim gab es eine Beschwerde über Clasen beim deutschen Presserat, weil er „russische Propaganda“ wiedergegeben habe. „Zum Glück fiel es mir leicht, alle Punkte zu entkräften.“ Unter anderem war bemängelt worden, dass Clasen von einem „Konflikt“ zwischen NATO und Russland, aber bewusst nicht von einem „Krieg“ geschrieben hatte – was jedoch den offiziellen Tatsachen entspricht, wenn man nicht gerade Annalena Baerbock fragt. Laut Clasen könne man jedoch von einem Stellvertreterkrieg sprechen, da viele westliche Staaten schließlich die Ukraine unterstützen. „Ich habe etliche US-Soldaten ohne Abzeichen in dem überfallenen Land gesehen, die teilweise sogar für einzelne Frontabschnitte zuständig waren“, so Clasen.
Auch das durch den Krieg eher verstärkte Korruptionsproblem in der Ukraine, die mutmaßliche Sprengung der Nordstream-Pipeline durch die Ukraine unter Kenntnis der Biden-Administration sowie „rechtsradikale Tendenzen in Teilen der ukrainischen Eliten“ würde nach wie vor von großen deutschen Medien totgeschwiegen.
Als besonders bewegend schildert Clasen „den 80. Jahrestag des Sieges der Alliierten im Zweiten Weltkrieg über Nazi-Deutschland“, den er in Moskau verbracht habe und als Enkel zweier Wehrmachts-Soldaten einem über 90-jährigen russischen Veteranen die Hand schüttelte. Dieser beteuerte, nichts gegen die Deutschen zu haben – sich aber zu wundern, dass Deutschland erneut Panzer gen Russland schicke. Am Vorabend hatte Clasen mit dem 96-jährigen ehemaligen Ersten Bürgermeister von Hamburg, Klaus von Dohnanyi, in einem Videocall gesprochen. Dohnanyi, der als 16-jähriger noch gegen die Rote Armee kämpfen musste, betonte in diesem Gespräch, dass er Trumps Friedensbemühungen unterstütze. Kurz darauf fuhr Clasen auf die Krim und geriet im russisch besetzten Sewastopol unter Verdacht ausländischer Spionage. Dies führt er knapp an, „um NGO-Denunzianten klar zu machen, dass ich kein Putin-Troll bin“.
Besorgt bilanziert er: „Selbst in einem klaren Fall einer völkerrechtswidrigen russischen Aggression kann die mediale Berichterstattung durch Übertreibung, Vereinfachung und Auslassung des historischen Kontextes in Deutschland und Westeuropa eine verzerrte Realität schaffen. Das schadet letztlich der öffentlichen Meinungsbildung, dem Vertrauen in Politik und Medien und einer rationalen Politik. Sie treibt die Gesellschaft so in eine gefährliche Eskalationsspirale, die der Wahrung des Weltfriedens zuwiderläuft.“ Bedauernd stellt er fest: „Nun dauert das Gemetzel schon länger als der Erste Weltkrieg an. Wofür die vielen Toten? Lernen wir nie mehr aus der Geschichte?“
Es droht eine oligopolähnliche Struktur
Auch am Beispiel der Themen Klima, Donald Trump, Israel oder „Kampf gegen Rechts“ führt Clasen die etablierten und vor allem öffentlich-rechtlichen Medien als Urheber tendenziöser, weglassender oder schlichtweg falscher Berichterstattung vor.
Doch nicht nur aus qualitativer, sondern vor allem aus technischer Sicht befinden sich herkömmliche Medienmarken weiterhin im Sinkflug. Klassische Medienhäuser erodieren, während Tech-Giganten wie Apple, Amazon, Alphabet (Google, inklusive YouTube und Gemini) oder Meta Platforms (Facebook, inklusive WhatsApp und Instagram) neben Streamingdiensten die Infrastruktur neuer Medienformate stellen. Und nicht nur dank komplexer Steuersparmodelle und ihrer enormen Nutzerdatensammlung profitieren, sondern längst zu neuen Machtzentren und Gatekeepern mittels Algorithmus geworden sind. Laut Clasen droht eine oligopolähnliche Struktur – zwischen dieser und den von Rundfunkbeiträgen finanzierten Öffentlich-Rechtlichen würden die rund 300 privaten Medienhäuser zerrieben werden. Dass „sich viele bürgerliche, konservative und liberale Menschen“ von diesen nicht mehr repräsentiert fühlen und daher Abos kündigen, wie Clasen an anderer Stelle schreibt, führt beim Leser zu der Frage, ob der Niedergang dieser Presselandschaft in ihrer heutigen Form überhaupt ein großer Verlust wäre. Die schließlich bei weitem nicht so unabhängig ist wie sie tut, wenn etwa die SPD bis heute große Medienanteile hält, wie Clasen auch erwähnt.
Nichtsdestotrotz hat der Autor natürlich Recht, wenn er vor allem unter dem Eindruck der Künstlichen Intelligenz warnt: „In dieser neuen Unübersichtlichkeit, einer wahren ‚Infokalypse‘, wird derjenige am meisten Erfolg haben, der die größten Emotionen weckt oder die verrücktesten und schockierendsten ‚Realitäten‘ generiert. Die Aufmerksamkeitsspanne für seriöse Analysen und Hintergründe sinkt bereits jetzt dramatisch, und KI wird diese Tendenz noch verstärken. Es geht immer mehr um schnelle Reize, starke Gefühle und weniger um tiefe Reflexion.“
Die alten „Medienkrieger“ in Gestalt der sterbenden Presse- und Rundfunklandschaft haben also ihren Staffelstab an die neuen „Medienkrieger“ in Form von Techkonzernen aus den USA und China abgegeben. Dieser beunruhigenden Entwicklung hat auch Michael Clasen wenig entgegenzusetzen, außer eine Rückbesinnung auf einen unabhängigen Journalismus und die Werte der Aufklärung zu proklamieren. Und die Utopie neuer, KI-gestützter Medien auszubreiten, „die nicht gemein sind, sondern Gemeinsinn stiften“, „den Diskurs fördern, auch Streit, aber nicht canceln, diffamieren und entmenschlichen“. Und „ein Klima für Weltoffenheit, Pluralität, Innovation und Fortschritt schaffen“. Ob dies gelingen kann, bleibt bei diesem pessimistischen Ausblick eher fraglich. Nach der Lektüre von „Die Medienkrieger“ kommt man in jedem Fall zu dem Schluss, dass ausgewogene Medien in der Gesellschaft zwar nicht alles sind, ohne eine funktionierende „Vierte Gewalt“ sich die Gesellschaft jedoch mit schnellen Schritten auf das Nichts zubewegt.
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