Über Zensur
– Alles ist Kunst. Alles ist Politik.
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Von Peking bis Berlin: Ai Weiwei analysiert Zensur als globales Machtinstrument
Ai Weiwei, 1957 in Peking geboren, kann über Zensur schreiben wie kaum ein anderer: sein Vater wurde in den produktivsten Jahren seines Lebens zum Schweigen gezwungen; Ai Weiwei selbst 2011 heimlich inhaftiert, sein Name 2009 komplett aus der Öffentlichkeit gelöscht. Das Leitbild des Buches ist das „Universum ohne Schatten“ – eine einzige Lichtquelle löscht jeden Kontrast aus, kein Utopie-Projekt, sondern ein „absurdes Gefängnis“.
Das Buch stellt dem chinesischen System, das Zensur durch die Bestrafung weniger Dissidenten durchsetzt, eine überraschend scharfe Analyse westlicher Verhältnisse gegenüber. Zensur im Westen komme nicht mit Anordnungen, sondern mit sanften Wörtern wie „sensibel“ oder „unangemessen“. Als Ai Weiwei einen Artikel über Meinungsfreiheit für eine bekannte deutsche Zeitung schrieb, lehnte diese ab, er könnte „Missverständnisse verursachen“. Er fragt, ob Artikel 5 GG angesichts des NetzDG und grassierender Selbstzensur nicht zur „leeren Floskel“ geworden sei.
Ein dritter Stoß gilt der KI: DeepSeek antwortete auf Fragen zu seiner Person mit „Lass uns über etwas anderes reden“. Auch westliche KI-Systeme kommen nicht ungeschoren davon: ChatGPT bezeichnete ein Selfie mit Alice Weidel als gefälscht, weil das Modell dieser Kombination mit Ai Weiweis Profil für unvereinbar hielt – Beleg, dass KI gesellschaftlich vorgepragten Annahmen folgt. Ai Weiweis schärfste These: Ein Gemeinwesen, das Zensur nur in autoritären Systemen vermutet, hat aufgehört, in den eigenen Strukturen nach ihr zu suchen.
Autor
Ai Weiwei, geboren 1957 in Peking, gehört zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Aufgrund seines Einsatzes für Menschenrechte wurde er 2011 in China kurzzeitig inhaftiert, bevor er 2015 nach Deutschland flüchtete, wo er eine Gastprofessur an der Universität der Künste in Berlin annahm. 2019 verließ er Deutschland wieder in Richtung London, heute wohnt er in Portugal. Sein letztes Buch trägt den Titel „1000 Jahre Freud und Leid“.
Rezensionen
Tagesspiegel, August 2026:
„Ai Weiwei beschreibt in dem schlanken, 126-seitigen Band unterschiedliche Ausprägungen von Zensur, stellt Überlegungen zum intellektuellen Schaden an, den sie bei Menschen anrichtet, und unterfüttert dies mit persönlichen Erfahrungen.“
Kurzübersicht
- ISBN: 978-3-98791-380-8
- Buchart: Sachbuch – Politik & Gesellschaft
- Format: Hardcover (gebunden)
- Seitenzahl: 126 Seiten
- Buchgröße (cm) / Gewicht: 20,5 x 12,5 x 1,5 / 250 g
- Erscheinungsdatum: 1. Aufl. / 24. August 2026
- Verlag: Westend Verlag GmbH
- Verkaufspreis: 20,00 €