Die Nacht, als Soldaten Verkehrspolizisten wurden – Gibt es noch eine deutsche Frage?
Mauerfall, DDR-Erinnerung und die ungelöste deutsche Frage: Gabriele Gysi sucht nach Gerechtigkeit im Erinnern
Am 9. November 1989 fiel die Mauer – und mit ihr eine ganze Geschichte. Doch was wurde eigentlich beendet, und was wurde verdrängt? Aus den menschlichen Verwerfungen des Zweiten Weltkrieges sind in Deutschland zwei Staaten hervorgegangen: die DDR und die Bundesrepublik. Mit der Bürde der deutschen Verantwortung für die Verbrechen der Nazizeit mussten beide einen neuen Weg in die Gemeinschaft mit anderen Völkern finden. Der Frieden war eine aus den Trümmern erstandene Hoffnung für alle Deutschen. Im Rückblick sieht Gabriele Gysi die Gemeinsamkeit beider deutscher Staaten in ihrem unmittelbaren Bezug aufeinander – und stellt fest: Noch heute ist die deutsche Frage nicht gelöst, nur neu gestellt.
Gabriele Gysi blickt auf die DDR zurück – nicht verklärt, sondern suchend nach Gerechtigkeit im Erinnern. In essayistischen Reflexionen, persönlichen Erinnerungen und politischen Beobachtungen stellt sie die Frage, warum der Untergang eines Staates ohne würdige Beerdigung blieb – und was das über das vereinte Deutschland sagt. Dabei widmet sie sich der Frage, wie mit der Geschichte der DDR nach dem Mauerfall gerechter hätte umgegangen werden können, wie alte Feindbilder immer wieder missbraucht werden und welche Folgen das Ende der DDR für den Frieden in Europa hat. Die Autorin engagiert sich gegen diesen Umgang und tritt für wahre Gerechtigkeit ein, die noch immer aussteht.
Zwischen Antigone und Shakespeares Welttheater analysiert sie die Inszenierungen von Macht, Medien und Moral. Die Figur der Antigone dient dabei als Metapher für den Widerstand gegen autoritäre Strukturen: Antigones Kampf um eine würdige Beerdigung ihres Bruders spiegelt den Konflikt zwischen individueller Moral und staatlicher Autorität wider – in Anlehnung an die DDR als einen Staat, der alternative Ordnungsprinzipien und Wertvorstellungen verkörperte. Was wurde aus der Hoffnung auf Frieden, die beide deutsche Staaten nach dem Krieg verband? Was bedeutet es, wenn Vergangenheit nur noch als Feindbild dient? Ein leidenschaftliches, klarsichtiges Buch über Erinnerung, Verantwortung und die ungelöste deutsche Frage.
Autorin
Gabriele Gysi ist Schauspielerin, Regisseurin und Autorin. Sie wurde 1946 in Berlin als Tochter der kommunistisch-jüdischen Verleger Klaus und Irene Gysi geboren. Sie besuchte die Staatliche Schauspielschule Berlin und wurde anschließend an die Volksbühne Berlin engagiert, wo sie siebzehn Jahre lang im Wesentlichen unter der Leitung von Benno Besson arbeitete. 1984 verließ sie die DDR und wechselte das Engagement an das Stadttheater Bochum unter Leitung von Claus Peymann. Ab 1990 lebte sie in Köln. Nach ihrer Schauspieldirektion am Volkstheater Rostock und vielen Regiearbeiten an verschiedenen Theatern und Schauspielschulen zwischen Bern und Lübeck kehrte sie 2006 als Assistentin der Intendanz und spätere Chefdramaturgin an die Volksbühne zurück. Seit 2010 lebt sie als freischaffende Künstlerin in Berlin. Mit ihrem Bruder Gregor Gysi publizierte sie »Unser Vater. Ein Gespräch«.
Rezensionen
Irmtraud Gutschke, Berliner Zeitung, 05.12.2025:
„Bewundernswert, wie unverzagt Gabriele Gysi in ihrer ‘Befragung’ ist – und wie brillant.“
Literatursalon.online, Dezember 2025:
„Gabriele Gysis Selbstbefragung zielt stark auf Reflexion und ist ohne Furcht, dabei anzuecken. Bewundernswert, wie unverzagt Gabriele Gysi in ihrer ‘Befragung’ ist und wie brillant.“
Amazon.de:
„Ein kluges, schön gestaltetes Buch, das die eigenen Gedanken des Lesers anregt, ihnen Raum gibt und keine Endlösungen verkündet.“
Kurzübersicht
- ISBN: 978-3-98791-307-5
- Buchart: Sachbuch – Zeitgeschichte & Gesellschaft
- Format: Klappenbroschur
- Seitenzahl: 200 Seiten
- Buchgröße (cm) / Gewicht: 21,2 × 13,3 × 2,1 cm / 290 g
- Erscheinungsdatum: 1. Aufl. / 8. September 2025
- Verlag: Westend Verlag GmbH
- Verkaufspreis: 20,00 €