Wir verlieren dieses Land – Liv von Boetticher
Liv von Boetticher: Wir verlieren dieses Land – Polizisten erzählen, worüber niemand offen spricht. Deutscher Wirtschaftsbuch Verlag, München, 16.06.2026. ISBN 978-3-690-66256-7. Das Buch kann hier im Achgut-Shop bestellt werden.
Rezension von Ulrike Stockmann, erschienen auf Achgut.com am 06.06.2026:
Wenn Polizisten erzählen, was sie offen nicht aussprechen
Seit rund 10 Jahren offenbart eine Kriminalitätsstatistik nach der anderen eine besorgniserregende Entwicklung: Gewaltdelikte nehmen in Deutschland einerseits zu, andererseits stammen die Täter überproportional häufig aus dem Ausland, vor allem aus afrikanischen Ländern wie den Maghreb-Staaten, aber auch aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak. Parallel dazu dominieren Schlagzeilen über Gewaltverbrechen von Messermord bis Gruppenvergewaltigung die Nachrichten.
Während die jeweilige Regierung ein ums andre Jahr versucht, die betrüblichen Zahlen totzuschweigen oder schönzureden, schwindet das Sicherheitsgefühl der Bürger und wächst der Unmut gegen das offensichtliche Politikversagen, das für die bröckelnde innere Sicherheit verantwortlich ist.
Eine wichtige Perspektive fehlt jedoch zumeist bei der Bestandsaufnahme der Kriminalitätsentwicklung und der Frage, wie sich die beunruhigenden Statistiken und Meldungen konkret im deutschen Alltag niederschlagen: Die Wahrnehmung von Polizisten findet medial kaum statt, schon gar nicht, wenn diese unverblümt und politisch unkorrekt ausfällt. Diese Leerstelle liefert die Journalistin Liv von Boetticher in ihrem Buch „Wir verlieren dieses Land. Polizisten erzählen, worüber niemand offen spricht“.
Der Titel des Buches ist schon allein dadurch Programm, alsdass ihre Gesprächspartner bei der Landes- und Bundespolizei allesamt anonym bleiben wollten. Auch jene Vertreter des Verfassungsschutzes, verschiedener Ausländerbehörden und städtischer Stellen sowie Sozialarbeiter, Lehrer, Schaffner und Mitarbeiter der Deutschen Bahn, die von Boetticher ebenfalls für ihr Buch konsultiert hat, werden in fast allen Fällen nicht näher benannt.
Allein diese Bekenntnisangst spricht Bände und offenbart gleichzeitig das Kernproblem der deutschen Migrationsmisere: Natürlich bilden politische Entscheide – wie Angela Merkels berüchtigter Entschluss im September 2015, die Grenzen für die in Ungarn gestrandeten mutmaßlichen Flüchtlinge aus Syrien zu öffnen (beziehungsweise nicht zu verschließen) –, den Ausgangspunkt dieser Entwicklung. Die Tatsache, dass scheinbar nicht unerhebliche Teile des Beamtenapparates schon vor über zehn Jahren wider besseres Wissen gehandelt haben, zeigt wie gefährlich es sein kann, „seine Pflicht zu tun“ beziehungsweise „einfach mitzumachen“. Und wie folgenreich.
„Deutschland ist zum Plündern und Vergewaltigen freigegeben“
„Wir durften einer unserer primären Aufgaben, nämlich dem Schutz der deutschen Grenzen, nicht nachkommen“, erinnerte sich ein Bundespolizist. „Wir hatten einen Plan, so wie andere Staaten auch, die Grenzen zu schließen und das Land zu schützen. Diesbezüglich gab es Einsatzbesprechungen.“ Er fügte hinzu: „In diesen Besprechungen wurde besprochen, welche Maßnahmen zum Schutz der Grenze greifen sollten.“ Doch Angela Merkel sorgte dafür, dass dieser Plan nie umgesetzt wurde, obwohl ihre Sicherheitschefs ihr ausdrücklich das Gegenteil rieten.
Der Beamte, mit dem Liv von Boetticher 2025 dieses Gespräch führte, geht noch weiter: „Die Sicherheitsbehörden wussten von Anfang an, dass die große Mehrheit Wirtschaftsflüchtlinge sind. Und wir wussten, dass wir gar nicht in der Lage sein würden zu differenzieren: Sind das wirklich Syrer?“
Prompt ereignete sich kurz darauf der erste traurige Höhepunkt der Folgen der verfehlten Migrationspolitik: Die Kölner Silvesternacht 2015/2016. Über tausend Männer, größtenteils nordafrikanischer beziehungsweise arabischer Herkunft, kesselten auf der Kölner Domplatte Frauen ein, um diese gezielt zu begrapschen. Auch von Vergewaltigungen war die Rede. Rund 1.200 Anzeigen wurden von den Opfern daraufhin erstattet. Doch bekanntlich wurde zunächst versucht, diese massenhaften sexuellen Übergriffe politisch und medial totzuschweigen.
Gegenüber Liv von Boetticher gesteht „ein hochrangiger Polizeibeamter aus Nordrhein-Westfalen“, er habe damals gedacht: „Deutschland ist zum Plündern und Vergewaltigen freigegeben.“ Ein anderer Polizist gab in einem Untersuchungsausschuss zu Protokoll, es sei „politisch heikel“ gewesen, über den Migrationshintergrund der Täter zu sprechen. Die damaligen Befürchtungen, die Kritiker hinsichtlich der weiteren Entwicklung der inneren Sicherheit hatten, haben sich im folgenden Jahrzehnt überfürällt.
Doch die Kölner Silvesternacht wirkte nicht nur zukunftsweisend, sondern laut von Boetticher auch „wie ein Brennglas“ hinsichtlich der destruktiven Entwicklung, die die Migration bereits davor hinter sich gebracht hatte. Einer der bedeutsamsten Aspekte des Buches ist daher die Chronologie von Migration und Kriminalität aus Ermittlerperspektive.
Die Ermittler durften Täter nicht als „Roma und Sinti“ beschreiben
Lange vor der Wiedervereinigung legten demnäch „Angehörige der sogenannten Mhallami-Kurden sowie palästinensische Gruppen“ „den Grundstein für die Clankriminalität, welche heute Umsätze in Milliardenöhe erzielt“. Nach der Wende „gab es fast ein Jahr lang überhaupt keine Grenze mehr, innerhalb von nur vier Jahren beantragten rund 1,4 Million Menschen Asyl, vorwiegend aus dem zerbrochenen Jugoslawien“, so von Boetticher. Eine Ermittlerin aus Berlin berichtete der Autorin, dass damals eine neue Art der Kriminalität nach Deutschland gekommen sei, durch „Menschen mit Kriegserfahrung, für die Gewalt keine Hemmschwelle war“.
Die Sparwelle unter Gerhard Schröder um die Jahrtausendwende führte jedoch zu einem Personalabbau bei der Polizei, der sich spätestens ab der Flüchtlingskrise negativ auswirkte. Für einen steilen Anstieg der Migration sorgte bereits der Beginn des „Arabischen Frühlings“ 2011.
Besonders brisant ist, dass interviewte Ermittler nicht zuletzt die EU-Osterweiterung 2004 und 2007 als des Übels Wurzel betrachten. „Die steigende Gewaltbereitschaft und Verrohung des innerstädtischen Sozialgefüges setzte bereits mit der Osterweiterung der EU und der damit verbundenen Freizügigkeit ein“, sagte in diesem Kontext ein Kriminalbeamter aus NRW. Konkret sei ein Anstieg der Bandenkriminalität durch Einwanderer aus Rumänien und Bulgarien zu verzeichnen gewesen, der an dieser Stelle präzisiert wird: „Es waren im Wesentlichen Sinti und Roma, die hier für viele Delikte verantwortlich waren.“
Diese seien in erster Linie Eigentums- und Betrugsdelikte gewesen, wie ein Kollege ergänzte. Dieser schilderte außerdem, wie sich schon damals eine „Sprach-Polizei“ bemerkbar gemacht habe. Die Ermittler durften Täter nicht als „Roma und Sinti“ beschreiben – was unter anderem auch die Fahndungsaufrufe beeinträchtigt und relativ erfolglos habe werden lassen. „Ein Hinwegsetzen über diese Anweisungen hätte dienstrechtliche Konsequenzen gehabt, davor haben sich viele – auch ich – geschþut“, so der Beamte.
„Die Polizei hätte sich die Zahl ausgedacht“
Ein anderer Kriminalist beschreibt, wie schon vor der Kölner Silvesternacht die Veröffentlichung der Vorjahres-Kriminalitätsstatistik seines Bundeslandes von Framing begleitet wurde. „Wir hatten in diesem Jahr den Fall, dass die Kriminalitätsrate jugendlicher Straftäter deutlich überproportional zu anderen Bevölkerungsanteilen gestiegen war“, so der Beamte, der „im Innenministerium meines Bundeslandes über die Jahrzehnte hinweg Minister verschiedener Parteizugehörigkeit erlebt“ hat. Der damalige SPD-Innenminister sollte nun diese unschönen Daten politisch kommentieren.
Der Beamte schilderte, wie vor der Pressekonferenz die Frage diskutiert wurde, inwiefern man diese Zahlen lieber nicht zu Beginn der Veranstaltung nennen sollte, um sie besser kaschieren zu können. Doch damit nicht genug: „Vlötzlich schaltete sich ein Staatssekretär ein und erklärte, die Zahl sei „gelogen“ – so nach dem Motto: Die Polizei hätte sich die Zahl ausgedacht.“ Der Kriminalist war empört. Demnach hat er aber dennoch dazu beigetragen, die nackten Zahlen schönzufärben. Andere Beamte bestätigten von Boetticher, dass es der politischen Seite wichtig gewesen sei, das Verhältnis von streiffälligen Migranten, Deutschen mit Migrationshintergrund und Bio-Deutschen auszublenden.
Diese schon damals jahrelang währende Verschleierung destruktiver Migrationseffekte lieferte schließlich den Nährboden für das Durchdrücken der „Wir schaffen das!“-Agenda durch Angela Merkel 2015. Auch hier öffnet Liv von Boetticher den Blick für die weitere Chronologie, indem sie auf drei folgende Beschleunigungseffekte der schon bestehenden Krise hinweist: Der durch den anhaltenden Bürgerkrieg nicht abreißende syrische Migrantenstrom stieg ab 2021 erneut an – und wurde im selben Jahr durch den Abzug der NATO-Truppen noch durch afghanische Zuwanderer verstärkt. Ähnlich wie 2015 wurden unter Zeitdruck Sicherheitsverfahren reduziert, Menschen durchgewunken und vor allem langfristige Folgen nicht bedacht. Die nächste Migrationswelle rollte durch Deutschland, die sich ab 2022 noch durch den Ukrainekrieg potenzierte.
Reise nach Syrien lässt Autorin sprachlos zurück
Interessant ist an dieser Stelle Liv von Boettichers persönliche Erfahrung in Flüchtlingsländern. Als sie 2022 mehrere Monate in Afghanistan verbrachte, machte sie die Erfahrung, dass die Unterstützung der Taliban durch die Bevölkerung größer war als gedacht, und vor allem, dass grundsätzlich die Benachteiligung der Frauen kulturell verankert und keine Erfindung der Taliban ist. Für ihre damalige Berichterstattung erfuhr sie jedoch Gegenwind, woraufhin sie sich fragte: „Beschreibe ich die Realität – oder das, was man hören will?“
Auch als die Autorin im September 2025 nach Syrien reiste, ließ sie das Erfahrene „sprachlos zurück“. Denn trotz Kriegsnarben und bestehenden Repressionen gegen die Bevölkerung erlebte sie dennoch ein in vielen Regionen funktionierendes Land. „Filmfestivals in der Hauptstadt, Rave-Partys in Homs und Sushi-Restaurants in Aleppo“ passen schließlich ebenso wenig zum deutschen Medienbild des anhaltenden Ausnahmezustandes wie die zahlreichen in Deutschland lebenden Syrer, die in ihrem Land Urlaub machen und denen Liv von Boetticher bei ihrem Aufenthalt begegnete.
Was bleibt, ist also eine deprimierende Bilanz: „Die Gewaltkriminalität hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, stellt auch von Boetticher beim Blick auf die offiziellen Zahlen fest. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurde mit 217.277 Gewaltdelikten im Jahr 2024 ein Höchstwert registriert – mit einem Anstieg von neun Prozent seit 2019. Und einer mutmaßlich hohen Dunkelziffer. Ein Beamter schätzt, dass sich etwa in Berlin einige Delikte 40- bis 50-mal häufiger ereignen, als sie angezeigt werden.
Das Lagebild zur „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ für das Jahr 2024 zeigt, dass „überdurchschnittlich viele Geflüchtete“ „als Tatvächtige erfasst (werden), Tendenz steigend“. Von Boetticher präzisiert: „Der Anteil von Geflüchteten an allen Tatvächtigen lag im Jahr 2024 laut BKA (Bundeskriminalamt) bei 8,8 Prozent. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug im selben Jahr jedoch nur fast 4 Prozent.“ Und fügt hinzu: „Migranten aus den Maghreb-Staaten – Algerien, Marokko, Tunesien – sowie aus Libyen und Georgien stellten 2024 laut BKA einen besonders hohen Anteil unter den Mehrfach-Tatvächtigen. Und das, obwohl ihr Anteil an der Gesamtzahl der Geflüchteten vergleichsweise gering ist: Nur 0,5 Prozent der Geflüchteten in Deutschland stammen aus den Maghreb-Staaten, gleichzeitig machen sie 9,1 Prozent der Flüchtlingsstraftäter aus. Genau diese Differenz treibt die Debatte an.“
Der Blick in die Statistik einzelner Bundesländer erhärtet diese Daten: „Im Jahr 2024 gab es in Nordrhein-Westfalen 237 Prozent mehr Sexualdelikte im Vergleich zu 2015. Der Anteil nichtdeutscher Tatvächtiger lag bei 28,1 Prozent.“
Steigbügelhalter für fehlgeleitete Politik
Die reichhaltige Sammlung anekdotischer Evidenz von Einsatzkräften belegt, was Kriminalitätsstatistiken seit rund einem Jahrzehnt anzeigen und als „rechts“ geframte Kommentatoren ebenso lange bemängeln. Beim Lesen stellt man sich jedoch unweigerlich die Frage, warum sich offenbar schon lange eigentlich alle einig sind – gerade auch jene, die in der Migrationsfrage an neuralgischen Punkten sitzen – und die Politik dennoch weitgehend unbehelligt an den Interessen von Bürgern und Behörden vorbeimarschieren konnte. Zwar empfinden laut Liv von Boetticher viele der für das Buch Interviewten einen „rückwärtigen Schock“ angesichts der Tatsache, dass Warnungen aus Behörden, Institutionen und Kommunen politisch übergangen und viel zu spät öffentlich thematisiert wurden.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass viele der zitierten Einsatzkräfte kaum den Mut fanden, ihr erlebtes Unbehagen auch auszudrücken: „Mehrere Beamte schildern, dass sie zunehmend das Gefühl haben, jedes falsch gesetzte Wort könne aus dem Kontext gerissen oder politisch interpretiert werden. Einige fürchten dienstrechtliche Konsequenzen, andere Beschwerden oder interne Ermittlungen – selbst dann, wenn sie lediglich polizeiliche Erfahrungswerte schildern. Andere sprechen von der Angst, als „rechts“ abgestempelt zu werden, sobald sie über kulturelle Konfliktlagen berichten, die für sie beruflicher Alltag sind.“
Letztlich geht es den Beamten so wie vielen Bürgern, die zwar in der Tasche die Faust ballen, aber keinen offenen Protest wagen. Menschlich ist dieses Verhalten durchaus nachvollziehbar – in der Konsequenz dient es aber als Steigbügelhalter für fehlgeleitete Politik. Zwar liegt es in der Natur des Beamtenstatus’, eine besondere Bindung und damit auch Loyalität gegenüber dem Staat zu haben. Immerhin gibt es aber die Möglichkeit beziehungsweise sogar die Pflicht, als Beamter gegenüber seinem Vorgesetzten zu remonstrieren, falls Bedenken bezüglich der Rechtmäßigkeit einer Weisung bestehen.
Ende der Verschleierung durch große Medien?
Der vielleicht verbluffe endste Aspekt, der sich beim Lesen von „Wir verlieren dieses Land“ aufdringt, ist, dass die Migrationskrise durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit der Coronakrise aufweist: In beiden Fällen entpuppten sich die politischen Entscheide schon nach kurzer Zeit als fehlgeleitet, was jeder, der es sehen wollte, auch sehen konnte – nicht zuletzt Behördenmitarbeiter. Der mittlerweile verstorbene Achgut-Autor Thomas Maul machte in Bezug auf Corona schon 2023 in seinem Buch „Was man wissen konnte“ einen Rundumschlag, wonach jeder auch ohne besondere Kenntnisse, allein mittels Logik und gesundem Menschenverstand die Corona-Maßnahmen als widersinnig hätte entlarven können.
Und so kamen angesichts der offenen Grenzen 2015 einige Bürger allein mit Logik und gesundem Menschenverstand zu dem Schluss, dass diese unkontrollierte Massenmigration keine gute Idee sein konnte. Wie Liv von Boetticher dokumentiert, teilten viele Polizisten, die es von Berufs wegen wirklich wissen mussten, damals ebenfalls diese Einschätzung.
Offenbar ist gut zehn Jahre nach Beginn der Flüchtlingskrise und ihrer anhaltenden Folgen die Frage nach dem „Wie konnte es so weit kommen?“ nicht mehr aufzuhalten. Ebenso wenig die Tatsache, dass dieses Thema mehr und mehr im Mainstream ankommt. Dass Liv von Boetticher als Journalistin, die vordergründig für RTL Deutschland, n-tv und den Stern tätig ist, sich migrationskritisch auf Ursachenforschung in Buchform begeben hat, darf womöglich ebenfalls als Indiz für das Ende der Verschleierung durch große Medien gelten. Ob dieses Erwachen zu spät kommt, steht auf einem anderen Blatt.
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